Manchmal beginnen die besten Geschichten ziemlich unspektakulär. Bei Alejandro Portela und mir war es eine gebrochene Angelrute – genauer gesagt eine Diskussion darüber, wie man sie reparieren sollte.

Ich kannte Alejandro damals noch nicht persönlich. Wir begegneten uns in einem spanischen Facebook-Forum, in dem jemand nach einer Möglichkeit fragte, ein gebrochenes Rutenteil zu reparieren. Alejandro antwortete und erklärte, wie er dabei vorgehen würde.

Warum schrieb ich Alejandro überhaupt an?

Seine Erklärung zeigte mir sofort, dass er sich mit Ruten beschäftigte und sich Gedanken über Reparaturen machte. Ich sah allerdings auch, dass die vorgeschlagene Lösung nach meiner Erfahrung nicht dauerhaft halten würde.

Ich hätte das einfach öffentlich unter seinen Beitrag schreiben können. Genau das wollte ich aber nicht. Mir ging es nicht darum, jemanden vor anderen zu korrigieren oder zu zeigen, dass ich es besser weiß. Deshalb schrieb ich Alejandro privat und erklärte ihm, wo ich bei dieser Reparatur das Problem sah und warum ich anders vorgehen würde.

Es ging nie darum, recht zu haben

Gerade im Handwerk kann man sehr unterschiedlich an ein Problem herangehen. Entscheidend ist für mich, ob eine Lösung auch langfristig funktioniert. Wenn ich jemanden auf einen möglichen Fehler aufmerksam mache, dann lieber direkt und sachlich als öffentlich vor einem Publikum.

Seine Reaktion überraschte mich

Alejandro hätte meine Nachricht auch als unerwünschte Belehrung auffassen können. Das Gegenteil war der Fall. Er war dankbar für meine Erklärung und wollte genauer wissen, warum ich bestimmte Reparaturen anders ausführe.

Aus dieser einen Nachricht wurde deshalb ziemlich schnell ein reger Schriftwechsel. Wir sprachen über Reparaturtechniken, über Rutenbau und natürlich über das Fliegenfischen. Alejandro interessierte sich von Anfang an sehr für die Arbeitsweisen, die ich bei Solitip über viele Jahre entwickelt hatte. Vor allem aber war er offen dafür, Dinge zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren.

Schon damals beschäftigte sich Alejandro intensiv mit dem Rutenbau – zunächst noch als Hobby.

Was mir damals sofort auffiel

Alejandro wollte nicht einfach eine Reparaturanleitung übernehmen. Er wollte verstehen, warum etwas funktioniert. Diese Neugier und seine Offenheit waren wahrscheinlich der eigentliche Grund dafür, dass aus einer einzigen Nachricht sehr schnell mehr wurde.

Vom Rutenbau kamen wir irgendwann zum Fischen

Neben dem Rutenbau verband uns von Anfang an vor allem eines: das Fliegenfischen.

Wer sich lange genug über Fliegenruten unterhält, landet zwangsläufig irgendwann beim Wasser. Alejandro erzählte mir von Galicien und seinen Flüssen. Von einer Landschaft, die für einen Fliegenfischer ausgesprochen interessant ist und die ich bis dahin nur aus Erzählungen und Bildern kannte.

Gleichzeitig wurde er immer neugieriger auf die Solitip-Ruten. Irgendwann war klar: Er wollte selbst eine Solitip fischen und herausfinden, was hinter dem Konzept steckt. Das Problem war nur, dass eine solche Rute für ihn zu diesem Zeitpunkt finanziell nicht einfach machbar war.

Damit hätte die Geschichte eigentlich enden können. Stattdessen entstand daraus eine Idee, die im Nachhinein zum eigentlichen Start unserer Zusammenarbeit wurde.

Der entscheidende Punkt: Unsere Zusammenarbeit begann nicht mit einem Geschäft, sondern mit fachlicher Neugier, gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Galicien rückte plötzlich näher

Je mehr Alejandro mir von seiner Heimat und den dortigen Gewässern erzählte, desto konkreter wurde irgendwann der Gedanke, ihn tatsächlich einmal zum Fischen zu besuchen.

Und genau an diesem Punkt entstand eine Idee, die ziemlich ungewöhnlich war – aber im Rückblick perfekt zu unserer Geschichte passt.

Die Flüsse Galiciens wurden irgendwann mehr als nur ein Gesprächsthema.

Im nächsten Teil

Eine Solitip gegen ein Guiding in Galicien? Ganz so einfach war es nicht – aber ziemlich nah dran. Im nächsten Teil erzähle ich, warum ich Alejandro das Material für seine erste Solitip schickte und wie aus einer privaten Vereinbarung schließlich der eigentliche Start unserer Zusammenarbeit wurde.

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