Wie bestimmt man eigentlich die tatsächliche Schnurklasse einer Fliegenrute – und woher kommt die 15°-Powervermessung, die ich heute bei Solitip verwende?
Die Antwort führt fast drei Jahrzehnte zurück: zu Ludwig Reim, seiner elektronischen 15°-Speed-Messung und zu einem Beitrag, den wir bereits 1997 in „Mit der Fliege“ veröffentlicht haben.

Ludwig Reim an der damaligen elektronischen Messanlage. Foto aus dem Originalbeitrag von 1997.
Am Anfang stand der 15°-Speed
Die heutige 15°-Powervermessung ist nicht unabhängig entstanden. Ihre Wurzeln liegen unmittelbar in der 15°-Speed-Messung von Ludwig Reim.
Ausgangspunkt war eine entscheidende Beobachtung: Beim Wurf bewegt sich die Spitze einer Fliegenrute ungefähr 15° aus ihrer Längsachse. Ludwig Reim machte diese Auslenkung zu einer festen Bezugsgröße und entwickelte daraus ein Verfahren, mit dem sich Ruten nicht mehr ausschließlich nach Gefühl beurteilen ließen.
Von Speed zu Power
1997: 15°-Speed
Mit der definierten Auslenkung wurden Schnurklasse und Rückstellgeschwindigkeit ermittelt. Aus Geschwindigkeit und Aktionslänge entstand zusätzlich der sogenannte Speedfaktor.
Heute: 15°-Power
Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit wurden weiterentwickelt. Daraus entstand die 15°-Powervermessung, mit der ich heute die tatsächlichen Leistungsdaten einer Rute bestimme.
Die 15°-Powervermessung von heute hat damit ihren Ursprung unmittelbar in Ludwig Reims 15°-Speed-Messung.
Was konnte man damit plötzlich messen?
Interessant war nicht nur die Rückstellgeschwindigkeit. Schon damals wurde die Schnurklasse einer Rute nicht einfach von ihrer Beschriftung übernommen. Die Rute wurde definiert belastet und vermessen. Daraus ließ sich ableiten, welches Schnurgewicht tatsächlich zu ihrer Leistung passte.
Im Originalartikel finden sich konkrete Messergebnisse verschiedener Fliegenruten. Dabei zeigte sich bereits 1997: Herstellerangabe und tatsächlich gemessene Schnurklasse mussten keineswegs identisch sein.
MESSBAR WURDEN
- Schnurklasse
- Rückstellgeschwindigkeit
- Aktionslänge
- Speedfaktor
- Unterschiede zwischen Ruten
Für mich ist das mehr als alte Technik
„Mit der Fliege“ war für mich schon damals ein Herzensprojekt. Wir wollten nicht einfach über das Fliegenfischen berichten. Wir wollten Dinge hinterfragen, ausprobieren, messen und Zusammenhänge verständlich machen.
Heute kennen viele nur das, was ich aktuell mit Solitip und SoliSpot mache. Wenn ich diese alten Seiten wieder hervorhole, wird sichtbar, dass vieles davon eine wesentlich längere Geschichte hat.
Und der 15°-Speed ist nur eine davon. In „Mit der Fliege“ warten noch einige Überraschungen – gerade für jüngere Interessierte, die gar nicht wissen können, womit wir uns schon damals beschäftigt haben.
Drei Seiten, die heute Geschichte erzählen
Der Artikel erschien 1997 in „Mit der Fliege“ 1/97 auf den Seiten 38 bis 40. Im restaurierten Originalbeitrag sind Ludwig Reims Erklärung der Messmethode, die damaligen Schnurgewichte, die grafische Darstellung der Messung und konkrete Ergebnisse des Rutentests vollständig erhalten.


Das Original-Layout des Magazins: links die Doppelseite 38–39, rechts Seite 40 aus „Mit der Fliege“ 1/97.
Fragen zur 15°-Messung
Wie bestimmt man die richtige Schnurklasse einer Fliegenrute?
Bei der 15°-Messung wird die Rute definiert belastet. Aus der notwendigen Belastung und der Auslenkung lässt sich bestimmen, welches Schnurgewicht zur tatsächlichen Leistung der Rute passt. Schon die Messungen von 1997 zeigten, dass dieser Wert von der Herstellerangabe abweichen konnte.
Was ist die 15°-Speed-Messung?
Die von Ludwig Reim entwickelte Methode verwendet die ungefähr 15° große Auslenkung der Rutenspitze beim Wurf als feste Bezugsgröße. Neben der Belastung wurde elektronisch gemessen, wie schnell die Rute aus dieser Position zurückstellt.
Was bedeutet der Speedfaktor einer Fliegenrute?
Der Speedfaktor setzt die gemessene Rückstellgeschwindigkeit in Beziehung zur Aktionslänge. Dadurch ließen sich unterschiedlich lange Ruten miteinander vergleichen und als langsam, mittelschnell oder schnell einordnen.
Woher stammt die heutige 15°-Powervermessung?
Ihre Wurzeln liegen in der 15°-Speed-Messung von Ludwig Reim. Das Prinzip der definierten Auslenkung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden weiterentwickelt und bilden die Grundlage der 15°-Powervermessung, die ich heute bei Solitip einsetze.
Warum ist der Beitrag von 1997 heute noch interessant?
Weil er dokumentiert, wie früh Fliegenruten systematisch vermessen und miteinander verglichen wurden. Gleichzeitig zeigt er einen Teil der Vorgeschichte der heutigen 15°-Powervermessung und damit auch einen Teil meiner eigenen Geschichte im Rutenbau.
Den Originalbeitrag von 1997 entdecken
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