Ein Fliegenkörper für zwei Welten

Gerhard Schnöller entwickelte mit seinen Speed Bodies ein ungewöhnliches Fliegenbindematerial, das sowohl für Trockenfliegen als auch für Nymphen verwendet werden konnte. Eine fast vergessene Entwicklung aus der Zeit der „Jungen Wilden“ des Panna-Verlags.

PIONIERE · FLIEGENBINDEN · UM 2000

Ein fertiger Fliegenkörper aus Gummi, innen hohl, außen gerippt. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Doch Gerhard Schnöller hatte sich damit eine technische Lösung einfallen lassen, die sowohl bei Trockenfliegen als auch bei Nymphen interessante Möglichkeiten eröffnete.

Vor mir liegen zwei Seiten unserer damaligen Zeitschrift mit der Fliege. In der Ausgabe 1/2000 stellten Sacha Putz und Uwe Kaptein auf den Seiten 30 und 31 eine Erfindung vor, die heute wohl nur noch wenige Fliegenbinder kennen: die Speed Bodies von Gerhard Schnöller.

Die Originalaufnahmen von damals zeigen, was sich aus diesen vorgefertigten Körpern machen ließ. Und sie erinnern mich an eine Zeit, in der ich Gerhard und eine ganze Reihe anderer begeisterter Fliegenfischer und Tüftler kennenlernte.

Speed01 – Unterschiedliche Fliegenmuster mit Gerhard Schnöllers Speed Bodies. Originalaufnahme aus „mit der Fliege“, Ausgabe 1/2000.

Einer der „Jungen Wilden“

Ich kenne Gerhard Schnöller bereits seit Ende der 1990er-Jahre. Damals gehörte er zu einem Kreis junger, engagierter Fliegenfischer und Fliegenbinder, den wir die „Jungen Wilden“ nannten.

Diese Generation unterstützte den Panna-Verlag, unsere Zeitschrift mit der Fliege und die damaligen Fachmessen mit viel Engagement. Es waren Menschen, die sich intensiv mit ihrem Hobby beschäftigten, Erfahrungen austauschten, Neues ausprobierten und eigene Ideen einbrachten.

Gerhard gehörte dazu. Als Fliegenbinder interessierte er sich nicht nur dafür, wie eine künstliche Fliege aussah, sondern auch dafür, wie sie sich herstellen ließ und welche Eigenschaften die verwendeten Materialien am Wasser hatten. Unter dem Namen S.G.’s Flydesign Austria beschäftigte er sich mit eigenen Fliegenbindematerialien und Techniken.

Die Menschen hinter den Ideen

Die „Jungen Wilden“ waren keine offizielle Organisation, sondern eine Bezeichnung für eine junge Generation, die damals mit ihrem Einsatz, ihren Ideen und ihrer Begeisterung das Umfeld des Panna-Verlags, seiner Zeitschrift und seiner Messen mitprägte.

Hohl statt massiv – die Idee hinter den Speed Bodies

Die Speed Bodies waren vorgefertigte Hinterkörper aus weichem, elastischem Gummi. Ihre Oberfläche war bereits gerippt und gab ihnen die typische Gliederung vieler Insektenkörper.

Der entscheidende Unterschied zu einem massiven Schaumstoffkörper lag im Inneren: Die Speed Bodies waren hohl. Genau diese Eigenschaft machte sie für unterschiedliche Fliegenmuster interessant.

Trockenfliegen

Die im Hohlkörper eingeschlossene Luft konnte den Auftrieb unterstützen. Der elastische Körper ließ sich auf den Haken aufziehen und mit weiteren Materialien zu unterschiedlichen Insektenimitationen ergänzen.

Nymphen

Durch eine kleine Öffnung ließ sich Luft herausdrücken und Wasser in den Hohlkörper gelangen lassen. Dadurch veränderte sich der Auftrieb. Das gleiche Grundmaterial konnte somit auch für sinkende Fliegen eingesetzt werden.

Damit war der Speed Body mehr als eine dekorative Bindehilfe. Seine Konstruktion verband eine naturähnliche Körperform mit veränderbaren Eigenschaften im Wasser.

Drei Zeichnungen erklären die Verarbeitung

Wie einfach das Grundprinzip war, zeigen die drei Originalzeichnungen unserer damaligen Veröffentlichung. Der elastische Körper wurde auf die benötigte Länge gebracht und auf den Hakenschenkel gezogen. Die vorgeformte Rippung blieb erhalten.

1. Speed Body auf den Haken aufziehen

2. Schaumstoffstreifen einbinden und umwickeln

3. Speed Body über die Basis schieben

Originalzeichnungen Speed03, Speed04 und Speed05 aus „mit der Fliege“, Ausgabe 1/2000. Die gezeigte Variante verwendet einen Schaumstoffstreifen als zusätzliche Basis.

Was daraus entstehen konnte

Die Speed Bodies waren keineswegs auf ein einziges Fliegenmuster beschränkt. In unserem damaligen Artikel wurden unterschiedliche Köcherfliegen-, Steinfliegen- und Nymphenimitationen vorgestellt. Auch weitere Insektengruppen ließen sich mit entsprechenden Anpassungen nachbilden.

Die vorgefertigten Hinterkörper nahmen dem Fliegenbinder nicht die gesamte Arbeit ab. Thorax, Beinchen, Flügel und andere Details wurden weiterhin individuell gestaltet. Gerade darin lag ein Vorteil: Die grundlegende Körperform war bereits vorhanden, ohne die Möglichkeiten für eigene Muster wesentlich einzuschränken.

ORIGINALMUSTER MIT SPEED BODIES

Speed02 – Praktische Fliegenmuster mit Speed Bodies, gebunden von den Autoren der Originalveröffentlichung Sacha Putz und Uwe Kaptein.

Eine alte Idee – und eine durchaus aktuelle Frage

Heute gibt es eine kaum überschaubare Auswahl künstlicher Bindematerialien, vorgefertigter Körper und technischer Hilfsmittel. Manche Lösungen sind aufwendig, andere verblüffend einfach. Und manche Ideen waren bereits vor vielen Jahren vorhanden, ohne dass sich heute noch viele daran erinnern.

Gerhards Speed Bodies sind dafür ein interessantes Beispiel. Sie zeigen, wie sich aus der genauen Beschäftigung mit einer künstlichen Fliege eine eigenständige technische Lösung entwickeln kann. Dabei ging es nicht nur um das Aussehen, sondern auch um die Verarbeitung und das Verhalten im Wasser.

Ob und in welcher Form die Speed Bodies später weiterentwickelt oder vermarktet wurden, lässt sich anhand der mir derzeit vorliegenden Unterlagen noch nicht abschließend beantworten. Ebenso fehlen mir bislang genauere Informationen darüber, wann und unter welchen Umständen Gerhard seine ersten Versuche machte.

Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende

Gerhard und ich kennen uns seit vielen Jahren. Ich möchte ihn deshalb selbst noch einmal auf seine damalige Entwicklung ansprechen und erfahren, wie die Speed Bodies entstanden sind und welche weiteren Ideen daraus hervorgingen.

Die Originalveröffentlichung aus dem Jahr 2000 bildet zunächst den Ausgangspunkt. Sobald weitere Informationen, Erinnerungen oder Bilder vorliegen, wird dieser Beitrag ergänzt.

Denn hinter solchen Entwicklungen stehen Menschen, deren Ideen es verdienen, nicht vergessen zu werden.


QUELLEN UND BILDMATERIAL

Sacha Putz und Uwe Kaptein: „Speed Body“, in: mit der Fliege, Ausgabe 1/2000, Seiten 30–31, Panna-Verlag. Originalaufnahmen und technische Zeichnungen aus der damaligen Veröffentlichung. Persönliche Erinnerungen von Theodor Matschewsky an den Panna-Verlag und den Kreis der „Jungen Wilden“.

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