Eine Fliegenrute trägt eine Schnurklasse auf dem Blank – doch sagt diese Angabe tatsächlich, was die Rute leistet? Und wie lässt sich feststellen, ob eine Rute langsam, mittelschnell oder schnell arbeitet? Genau hier beginnt für mich die 15°-Power-Messung. Sie liefert messbare Werte statt einer Einschätzung nach Gefühl und ist deshalb die Grundlage, bevor ich eine Rute mit einer Solitip verändere.

Im Video zum vollständigen Beitrag zeige und erkläre ich die Messung direkt an einem 9 Fuß langen Next-Tackle-Blank der Klasse 6 und gehe auf weitere Details ein.


Wie kann man die Schnurklasse einer Fliegenrute bestimmen?

Die auf einer Fliegenrute angegebene Schnurklasse ist zunächst die Einordnung des Herstellers. Wenn ich wissen möchte, wie sich der Blank tatsächlich verhält, verlasse ich mich jedoch nicht allein auf diese Angabe.

Bei der 15°-Power-Messung wird die Rute waagerecht eingespannt und exakt ausgerichtet. Anschließend wird sie definiert belastet. Über den dabei ermittelten statischen Wert lässt sich die tatsächliche Schnurklasse bestimmen.

Beim Blank aus dem Video ergeben sich rund 17 Gramm. Damit liegt er sehr genau im Bereich der angegebenen Klasse 6.

Das ist für mich eine wichtige Ausgangsbasis: Ich weiß jetzt, womit ich tatsächlich arbeite – und muss es nicht schätzen.


Stimmt die angegebene Schnurklasse einer Fliegenrute immer?

Nicht zwingend. Genau deshalb halte ich eine Messung für wesentlich aussagekräftiger als die Beschriftung auf dem Blank.

Die Herstellerangabe gibt eine Orientierung. Bei der konkreten Rute interessiert mich aber, welche Werte der Blank tatsächlich liefert. Besonders wichtig wird das, sobald ich konstruktiv eingreife – beispielsweise wenn eine Solitip montiert wird.

Denn eine Entscheidung auf Grundlage einer falschen Einschätzung lässt sich später unter Umständen nicht mehr korrigieren.

Für mich gilt deshalb: Erst messen, dann entscheiden.


Wie lässt sich die Aktion einer Fliegenrute bestimmen?

Begriffe wie langsam, mittelschnell oder schnell werden bei Fliegenruten häufig verwendet. Ohne eine definierte Grundlage bleibt die Beurteilung jedoch schnell subjektiv.

Bei der 15°-Messung betrachte ich deshalb nicht nur einen einzelnen Wert. Aus statischem und dynamischem Gewicht lässt sich das Verhältnis bestimmen, aus dem der Powerfaktor entsteht.

Damit bekomme ich eine nachvollziehbare Grundlage für die Beurteilung der Aktion.

Beim im Video verwendeten Blank liegt eine mittelschnelle bis schnelle Aktion vor. Als Orientierung gilt bei dieser Einteilung: Eine mittelschnelle Aktion reicht bis ungefähr zu einem Powerfaktor von 4,8, darüber sprechen wir von einer schnellen Aktion.

Im Video habe ich diese Grenze an einer Stelle falsch bezeichnet – deshalb stelle ich sie hier ausdrücklich richtig.


Was sagt der Powerfaktor einer Fliegenrute aus?

Der Powerfaktor entsteht aus dem Verhältnis der bei der Messung ermittelten statischen und dynamischen Werte. Für mich ist er besonders wichtig, weil er die Ausgangslage beschreibt, bevor ich die Rute verändere.

Mit entsprechender Erfahrung kann ich daraus abschätzen, welcher Powerfaktor nach der Montage einer Solitip erreichbar ist.

Damit wird der Umbau nicht zum Versuch nach dem Prinzip „Das müsste ungefähr passen“. Ich kenne den Ausgangspunkt und kann gezielt darauf hinarbeiten, welchen Charakter die fertige Rute bekommen soll.

Genau deshalb ist die Messung für mich kein theoretischer Selbstzweck. Sie ist ein praktisches Werkzeug für den Rutenbau.


Warum sollte eine Fliegenrute vor einem Umbau oder einer Reparatur vermessen werden?

Weil ich zuerst wissen muss, was tatsächlich vorhanden ist, bevor ich etwas daran verändere.

Bei einer Solitip wird ein entscheidender Teil der Rute verändert. Ohne Kenntnis der ursprünglichen Eigenschaften würde ich eine konstruktive Entscheidung treffen, ohne den Ausgangspunkt exakt zu kennen.

Das Gleiche kann auch bei Reparaturen oder anderen Veränderungen einer Rute wichtig sein. Je stärker ein Eingriff die Konstruktion oder Aktion beeinflusst, desto wichtiger wird eine nachvollziehbare Ausgangsmessung.

Die Materialphysik dahinter behandle ich an anderer Stelle ausführlicher. Hier steht die praktische Konsequenz im Mittelpunkt:

Eine kontrollierte Veränderung beginnt mit einer kontrollierten Bestandsaufnahme.

Deshalb gehört die 15°-Power-Messung für mich zu den wichtigsten Werkzeugen beim gezielten Aufbau und Umbau einer Fliegenrute.


Im Video geht es noch deutlich tiefer

Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Zusammenhänge. Im Video gehe ich jedoch wesentlich näher an die praktische Arbeit heran: Du siehst die Messung direkt am Blank, die Ausrichtung auf der Messanlage, die Belastung und wie ich die ermittelten Werte für den anschließenden Aufbau mit der Solitip einordne.

Den kompletten Beitrag mit Video und allen Details findest du im Raum „Werkstattlösungen“ auf SoliSpot.

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