Steckverbindungen und Überschübe gehören zu den besonders belasteten Bereichen einer Angelrute. Trotzdem wird ihnen häufig erst Aufmerksamkeit geschenkt, wenn sich eine Verbindung lockert oder bereits ein Schaden entstanden ist. Dabei lassen sich erste Warnzeichen erkennen – und ein gefährdeter Überschub kann sogar vorbeugend verstärkt werden.
Warum wird die Steckverbindung einer Angelrute locker?
Beim Werfen und Fischen wird die Rute ständig gebogen und wieder entlastet. Dadurch kann sich eine Steckverbindung im Laufe eines Angeltages allmählich lockern. Bei manchen Ruten passiert das häufiger, bei anderen überhaupt nicht.
Entscheidend sind vor allem die Passgenauigkeit der Steckverbindung und die Frage, wie sorgfältig die Rutenteile vom Angler zusammengesteckt wurden. Bei Solitip achte ich deshalb auf eine möglichst präzise Passung und sichere die Überschübe zusätzlich ab.
Kann eine lockere Steckverbindung zum Rutenbruch führen?
Eine lockere Verbindung kann besonders an der Kante des Überschubs hohe Belastungen verursachen. Bereits sehr wenig Spiel kann ausreichen, damit der Blank beginnt aufzuplatzen.
Interessant ist dabei die häufig verwendete sogenannte „Stützwicklung“. Ich bezeichne sie bewusst als Zierwicklung, denn eine Fadenwicklung kann den Blank nicht zuverlässig am Aufplatzen hindern.
Oder etwas deutlicher gesagt: Eine Manschette schützt. Ein Faden nicht.
Woran erkennt man einen beschädigten Überschub?
Eine Zierwicklung ist trotzdem keineswegs nutzlos. Sie kann sogar eine Art Warnlampe für einen beginnenden Schaden sein.
Typisch sind kleine dreieckige Veränderungen oder Lackplatzer im Bereich der Wicklung. Bei einer Zapfenverbindung gibt es noch ein weiteres Warnzeichen: Der Zapfen lässt sich plötzlich deutlich weiter einschieben als früher.
Das kann darauf hindeuten, dass der Überschub bereits aufplatzt und sich dadurch sein Innendurchmesser vergrößert hat.
Jetzt den Zapfen einfach noch tiefer hineinzudrücken, ist keine gute Lösung. Jeder zusätzliche Millimeter kann den Überschub weiter spreizen und einen vorhandenen Riss schneller fortschreiten lassen.
Wie kann man den Überschub einer Angelrute verstärken?
Bei meinen Solitip-Ruten sichere ich den gefährdeten Bereich mit einer dünnen Manschette aus Kohlefaser-Roving.
Kohlefaser-Roving ist sehr leicht und nahezu unzerreißbar. Bereits eine sehr dünne Schicht genügt, um den Überschub gegen das Aufplatzen abzusichern. Dabei geht es nicht darum, das gesamte Rutenteil zu versteifen.
Die Kohlefaser-Manschette hat praktisch keinen Einfluss auf die Aktion der Rute und bringt kaum zusätzliches Gewicht mit.
Kann man eine Steckverbindung vorbeugend verstärken?
Genau darin liegt ein wichtiger Vorteil: Man muss nicht warten, bis die Angelrute gebrochen oder der Überschub bereits aufgeplatzt ist.
Auch die Überschübe anderer geeigneter Angelruten können nachträglich mit einer Kohlefaser-Manschette verstärkt werden. Dieses vorbeugende Rutentuning biete ich deshalb nicht nur für Solitip-Ruten an.
Wer eine mehrteilige Rute besitzt, sollte sich ihre Steckverbindungen gelegentlich genauer ansehen. Kleine Lackplatzer, Veränderungen an der Wicklung oder ein Zapfen, der plötzlich tiefer sitzt, können Hinweise sein, die man besser erkennt, bevor daraus ein größerer Schaden entsteht.
Warum verwendet Solitip weiterhin Kohlefaser-Manschetten?
Als ich in den siebziger- und achtziger-Jahren mit dem Rutenbau begann, waren Manschetten an Steckverbindungen weit verbreitet. Heute verzichten fast alle Hersteller darauf.
Warum das so ist, darüber darf sich jeder gern selbst seine Meinung bilden.
Für mich zählt etwas anderes: Ich habe über Jahrzehnte viele beschädigte und aufgeplatzte Überschübe gesehen. Deshalb gehört die zusätzliche Sicherung mit Kohlefaser bei Solitip-Ruten weiterhin ganz selbstverständlich zum Aufbau.
Manchmal liegt eine wichtige Verbesserung eben nicht darin, etwas völlig Neues zu erfinden – sondern darin, auf etwas Bewährtes nicht zu verzichten.
