Als Alejandro und ich uns noch nicht lange kannten, kamen wir natürlich auch auf die verschiedenen Arten des Fliegenfischens zu sprechen. Irgendwann fragte ich ihn, ob er die heute als Euro Nymph bekannte Technik kennt.

Seine Antwort machte mich sofort hellhörig: Diese Art der Nymphenfischerei spielt im spanischen Wettkampfangeln eine sehr große Rolle. Und Alejandro kennt einige der Menschen persönlich, die dort seit Jahren auf höchstem Niveau fischen.

Für mich war das eine überraschende Verbindung zur eigenen Vergangenheit. Denn mit den Vorläufern dieser Fischerei hatte ich schon zu tun, als von „Euro Nymph“ noch überhaupt niemand sprach.

Damals hieß es bei uns einfach „Baggern“

In den 1990er-Jahren zeigte mir mein damaliger Schwager Karel Svetelsky eine Nymphentechnik, die damals gerade aus Polen nach Tschechien gekommen war. Wir nannten diese Art zu fischen damals schlicht „Baggern“.

Mich interessierte sehr schnell nicht nur die Technik selbst, sondern auch die Frage, welche Rute dafür am besten geeignet ist.

Die üblichen Ruten waren dafür nicht optimal. Wir experimentierten deshalb mit langen Ruten und sehr feinen Solitip-Spitzen. Damit ließ sich der Kontakt zur Nymphe deutlich besser kontrollieren.

Und das funktionierte.

Historische Solitip Rute für frühe Nymphentechnik
Schon in den 1990er-Jahren beschäftigten wir uns mit langen, sensiblen Ruten und feinen Solitip-Spitzen für diese besondere Nymphentechnik.

Kurze Zeit später schrieb ich darüber in „Mit der Fliege“

Historischer Beitrag in Mit der Fliege über Nymphenfischen und Solitip
Auszug aus meinem damaligen Beitrag in „Mit der Fliege“.

Kurze Zeit später veröffentlichte ich meine Erfahrungen in „Mit der Fliege“. Wenn ich diese alten Seiten heute wieder in der Hand halte, finde ich weniger den damaligen Namen der Technik interessant als die Anforderungen, die wir schon damals an die Rute gestellt haben.

Länge, direkte Kontrolle, sensible Spitze und eine Rute, die auch mit sehr leichten Nymphen sauber arbeitet – viele dieser Punkte begegnen mir heute wieder, wenn über moderne Euro-Nymph-Ruten gesprochen wird.

Was heute unter Euro Nymph selbstverständlich erscheint, begegnete mir bereits in den 1990er-Jahren in einer frühen Form. Und schon damals beschäftigte mich vor allem die Frage nach der richtigen Rute dafür.

Historischer Artikel über Nymphenfischen in Mit der Fliege
Die zweite Seite des damaligen Artikels dokumentiert, wie früh wir uns bereits mit dieser Fischerei beschäftigt haben.

Jahrzehnte später erzählt mir Alejandro von Spanien

Und nun sitze ich Jahrzehnte später in Deutschland und Alejandro erzählt mir, dass gerade diese Art der Fischerei im spanischen Wettkampfsport eine große Bedeutung hat.

Damit wurde sein Netzwerk für mich plötzlich noch interessanter.

Alejandro kennt zahlreiche erfahrene Wettkampffischer und Spezialisten persönlich. Sie helfen ihm mit Tests, Einschätzungen zu Ruten und Rückmeldungen aus der praktischen Fischerei.

Menschen aus Alejandros Netzwerk

Dazu gehören unter anderem Manuel Iglesias Angulo, Fran Llamas, José Manuel Socastro, Raquel Cabeza, Zabulón, Raúl Leralta, Óscar Arratia, Miguel Piñeiro, Alberto Torres, Suso Vilar und der Portugiese Jorge Araujo.

Mir geht es dabei nicht darum, möglichst viele bekannte Namen aufzuzählen. Interessant wird dieses Netzwerk dort, wo diese Menschen ihre Erfahrung einbringen, Ruten tatsächlich fischen und Alejandro ehrliche Rückmeldungen geben.

Die erste Solitip in Spanien fischte nicht Alejandro

Eine kleine Geschichte gefällt mir dabei besonders.

Manuel Iglesias Angulo war nach Alejandros Aussage tatsächlich der erste Mensch, der in Spanien eine Solitip gefischt hat – sogar noch bevor Alejandro selbst seine erste ausprobieren konnte.

Alejandro beschreibt Manuel als engen Freund und erfahrenen Trainer erfolgreicher spanischer Wettkampffischer. Kennengelernt haben sich die beiden, nachdem Alejandro ihm geholfen hatte, eine ganz bestimmte und schwer zu beschaffende Rute zu organisieren.

Dass ausgerechnet jemand aus diesem Umfeld die erste Solitip in Spanien ausprobierte, konnte bei unserem ersten Kontakt niemand ahnen.

Alejandro Portela mit Manuel Iglesias Angulo
Alejandro Portela mit Manuel Iglesias Angulo, einem seiner wichtigen Kontakte innerhalb der spanischen Wettkampfszene.

Drei Solitips für Fran Llamas

Fran Llamas mit Alejandro Portela und weiteren Fliegenfischern
Fran Llamas hatte mehrere Wochen drei unterschiedliche Solitip-Ruten zum Testen.

Auch Fran Llamas, der mit der spanischen Mannschaft zweimal Weltmeister wurde, bekam von Alejandro drei unterschiedliche Solitip-Ruten für mehrere Wochen zum Ausprobieren.

Seine Rückmeldungen waren laut Alejandro bei allen drei Ruten sehr positiv. Eine hat ihn jedoch besonders beeindruckt:

die Solitip 10’6″ #2.

Auch Manuel Iglesias hebt laut Alejandro immer wieder die 9′ #4 hervor.

Genau solche Rückmeldungen möchte ich haben

Mir geht es nicht darum, Solitips an bekannte Fischer zu geben, damit anschließend irgendwo ein Name für Werbung verwendet werden kann.

Mich interessiert viel mehr, was diese Menschen tatsächlich spüren und was sie eventuell anders beurteilen als wir. Gerade erfahrene Wettkampffischer haben sehr viele unterschiedliche Ruten gefischt und können Unterschiede oft ausgesprochen fein wahrnehmen.

Alejandro bekommt diese Rückmeldungen unmittelbar. Gleichzeitig hört er von seinen Kunden, welche Ruten, Längen und Aktionen in Spanien gefragt sind.

Genau solche Informationen fließen inzwischen in unsere Gespräche und damit auch in neue Überlegungen zu Solitip ein.

Alejandro Portela mit bekannten spanischen Fliegenfischern
Alejandro mit Alberto Mera, Raquel Cabeza, Zabulón und Fran Llamas – ein Teil des Netzwerks, aus dem heute wertvolle praktische Rückmeldungen kommen.

Und plötzlich erscheint Alejandro selbst im Fernsehen

Während wir diese Porträtserie vorbereitet haben, kam noch etwas hinzu, das wunderbar zu seiner bisherigen Entwicklung passt: Alejandro wurde für einen Fernsehbeitrag in seiner Werkstatt in Sandiás begleitet.

TV-Beitrag über Alejandro Portela

Der Beitrag erzählt seine Geschichte vom Angler, den schon als Kind die Flüsse faszinierten, bis zum offiziell anerkannten Handwerker von Artesanía de Galicia.

Gezeigt wird auch, wie genau er sich mit dem Aufbau einer Rute beschäftigt: Blank, Spine, Ausrichtung, Materialien und die einzelnen Arbeitsschritte.

Für seine Griffe verwendet Alejandro portugiesischen Kork. Je nach Ausstattung liegen seine handgefertigten Ruten laut Fernsehbeitrag zwischen etwa 250 und 600 Euro.

Am besten gefällt mir allerdings seine eigene Aussage über den Moment, in dem eine Rute fertig ist.

„Wenn ich die fertige Rute schließlich in den Händen halte und weiß, dass ich sie selbst gebaut habe, ist dieses Gefühl für mich einfach spektakulär.“

Alejandro Portela

Aus einer Bekanntschaft ist ein Netzwerk geworden

Wenn ich mir heute anschaue, wie diese Geschichte angefangen hat, finde ich die Entwicklung bemerkenswert.

Ich schrieb Alejandro ursprünglich wegen einer Reparaturmethode an. Daraus entstanden Gespräche. Dann kam seine erste Solitip, seine eigene Firma und schließlich unsere Zusammenarbeit für Spanien und Portugal.

Heute bringt Alejandro Menschen mit Solitip in Kontakt, zu denen ich ohne ihn wahrscheinlich nie einen Zugang bekommen hätte. Gleichzeitig bekomme ich einen immer besseren Einblick in die spanische und portugiesische Fischerei.

Und dann taucht plötzlich eine Verbindung zu einer Fischereitechnik auf, mit der ich mich selbst schon vor rund drei Jahrzehnten beschäftigt habe.

So etwas kann man nicht planen. Aber genau solche Verbindungen machen für mich den Wert dieser Zusammenarbeit aus: Erfahrung aus der Vergangenheit trifft auf aktuelle Praxis und auf Menschen, die heute auf höchstem Niveau fischen.

Während ich diesen Beitrag schreibe, geht es bereits weiter

Eigentlich wäre das ein schöner Punkt, um dieses Porträt abzuschließen. Doch ausgerechnet jetzt fragte Alejandro mich nach einem speziellen, etwa zwei Meter langen Blank für eine in Galicien verbreitete Art des Forellenfischens mit sehr leichten Ködern.

Ich kannte die Technik. Alejandro kennt die Wünsche der Fischer vor Ort. Innerhalb weniger Nachrichten hatten wir die ersten Vorstellungen für einen speziellen Solitip-Blank.

Kurz darauf meldete sich bei ihm bereits der nächste Interessent für genau diese Art Rute.

Parallel sprechen wir über die nächste Sensifast für Spanien und die ersten neuen Solitip-Fliegenschnüre, die Alejandro dort anbieten möchte.

Als wir uns kennenlernten, ging es um eine gebrochene Angelrute. Heute entstehen aus unseren Gesprächen neue Ideen für Angler in Spanien und Portugal.

Vielleicht ist genau das der richtige Abschluss für dieses Porträt: Es gibt noch keinen.

Fortsetzung offen.

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Solitip Werkstatt
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