Dieser Beitrag entsteht gerade – und du kannst daran mitwirken
Was du hier siehst, ist bewusst noch kein abgeschlossener Beitrag. Die neue Griffform befindet sich im Praxistest. Erste Erfahrungen liegen inzwischen vor, weitere sollen dazukommen. Im Raum „Mitmachen“ kannst du deine eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und Ideen einbringen – oder die neue Griffform selbst an einer deiner Ruten testen.
Warum muss ein Fliegenrutengriff eigentlich eine Haltung vorgeben?

Die Idee entstand kurz bevor Michael und ich uns mit den ersten Combinat-Ruten beschäftigt haben. Eigentlich war die Ausgangsfrage ganz einfach: Warum muss man sich beim Griff einer Fliegenrute für eine bestimmte Handhaltung entscheiden?
Viele Fliegenfischer werfen überwiegend mit dem Daumen oben. Andere bevorzugen den Zeigefinger. Wieder andere wechseln zwischen beiden Positionen. Trotzdem sind die meisten Griffe so geformt, dass sie eine bestimmte Haltung stärker unterstützen als eine andere.
Unsere Überlegung war deshalb, eine Form zu entwickeln, die sowohl die Daumen- als auch die Zeigefingerhaltung zulässt, ohne dass sich eine davon wie ein Kompromiss anfühlt.
Was zunächst einfach klang, wurde bei der Combinat plötzlich wichtig
Bei der Combinat bekam diese Idee einen ganz konkreten Zweck. Je nach Kombination ihrer Teile reicht ihr Einsatzbereich von ungefähr Schnurklasse #2 bis zur Schnurklasse #7.
Damit verändert sich nicht nur die Leistung der Rute. Auch die Art, wie man sie führt und hält, kann sich verändern. Eine sehr leichte Kombination stellt andere Anforderungen an die Hand als eine deutlich kräftigere Zusammenstellung.
Die ursprüngliche Frage war: Welcher Griff passt zu einer Rute, die je nach Zusammenstellung völlig unterschiedliche Aufgaben übernehmen kann?
Inzwischen wird daraus eine grundsätzlichere Frage: Muss ein Griff überhaupt eine bestimmte Handhaltung vorgeben?
Daumen, Zeigefinger – und alles dazwischen

Daumenhaltung
Die klassische Daumenhaltung funktioniert mit der neuen Form weiterhin natürlich. Die Hand bekommt Halt, ohne dass sie durch eine ausgeprägte Kontur auf eine einzige Position festgelegt wird.
Zeigefingerhaltung
Bei der Zeigefingerhaltung zeigt sich eine weitere Besonderheit. Der Zeigefinger kann weit nach vorne geführt werden und nahezu fließend vom Kork auf den Blank wechseln. Gleichzeitig bietet die Form dem Finger weiterhin Unterstützung.

Der erste Praxistest hat unsere ursprüngliche Idee bereits erweitert
Florian Krumpöck war der erste, der diese Griffform über mehrere Stunden tatsächlich am Wasser ausprobiert hat. Und genau solche Tests sind wichtig, weil dabei Dinge sichtbar werden, an die man bei der Entwicklung zunächst gar nicht gedacht hat.
Florian ist nicht auf eine einzige Griffhaltung festgelegt. Er wirft mit dem Daumen, mit dem Zeigefinger und mit Positionen dazwischen. Auch während einer Wurfsequenz kann sich seine Handhaltung verändern.
Damit hat sich unsere ursprüngliche Vorstellung bereits erweitert. Vielleicht liegt die eigentliche Besonderheit dieses Griffes gar nicht darin, dass er zwei Griffhaltungen ermöglicht. Vielleicht liegt sie vielmehr darin, dass der Griff dem Werfer möglichst wenig vorschreibt.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem ersten Test
Der Griff ermöglicht nicht nur Daumen- und Zeigefingerhaltung. Die Hand kann auch Zwischenpositionen einnehmen und während des Fischens auf dem Griff wandern. Der Angler führt die Rute – die Griffform versucht nicht, die Hand zu führen.
Auch die Balance der Rute spielt eine Rolle
Ein weiterer interessanter Punkt aus Florians Erfahrungen betrifft die Balance. Er bevorzugt schon seit Jahren längere, nach vorne schlank auslaufende Griffe. Dadurch kann er seine Handposition verändern und unterschiedliche Rollen beziehungsweise Rollengewichte besser ausgleichen.
Für ihn sollte eine Einhandrute möglichst im Bereich des vorderen Griffendes ausbalanciert sein. Wenn die Hand dort ihre Position verändern kann, lässt sich auch das subjektive Gefühl für die Balance der gesamten Rute beeinflussen.
Das war bei unserer ursprünglichen Idee nicht der zentrale Gedanke. Durch den Praxistest ist daraus aber ein weiterer Punkt geworden, den wir bei den nächsten Tests genauer beobachten wollen.
Kann die Bewegungsfreiheit auch die Hand entlasten?
Aus den ersten Erfahrungen ergibt sich für uns noch eine weitere Frage: Was passiert mit der Belastung der Hand, wenn der Griff nicht dazu zwingt, über Stunden dieselbe Position einzunehmen?
Wenn Daumen, Zeigefinger und Zwischenpositionen genutzt werden können, werden möglicherweise auch Finger und Handmuskulatur unterschiedlich belastet. Gerade für weniger kräftige Hände könnte das interessant sein – beispielsweise für Frauen, Kinder und Jugendliche. Ebenso könnte die Bewegungsfreiheit Einsteigern entgegenkommen, die sich noch gar nicht auf eine bestimmte Griffhaltung festgelegt haben.
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine nachgewiesene Eigenschaft des Griffes. Es ist eine Frage, die sich aus den bisherigen Erfahrungen ergeben hat und die wir jetzt gezielt mit weiteren Testern untersuchen möchten.
Florian Krumpöcks Erfahrungsbericht

Praxistest von Florian Krumpöck
Florian hat die neue Griffform mehrere Stunden beim Werfen und Fischen ausprobiert. Der folgende Erfahrungsbericht stammt vollständig von ihm und wird unverändert wiedergegeben.
Mehr als nur ein Griff – eine neue Freiheit beim Werfen
Bei meinen handgebauten Fliegenruten war der Griff für mich noch nie bloß eine Frage der Optik oder des Komforts. Im Gegenteil: Bei jeder meiner Custom-Ruten habe ich bisher auf einer sehr speziellen, eigens für meine Wurftechnik entwickelten Griffform bestanden. Seriengriffe waren mir fast ausnahmslos zu kurz – und vor allem war mir der Übergang vom Kork zum Blank nie fließend genug.
Das mag zunächst nach einem Detail klingen. Für meine Art zu werfen und zu fischen ist es keines.
Ich möchte mit dem Zeigefinger jederzeit vom Kork auf den Blank gleiten können – ohne Absatz, ohne störende Kante und ohne dafür meine Handhaltung grundsätzlich verändern zu müssen. Je nachdem, ob ich werfe, die Fliege führe oder einfach die Balance der Rute verändern möchte, wandert meine Hand nach vorne oder zurück. Deshalb bevorzuge ich lange, nach vorne sehr schlank auslaufende Griffe mit einem möglichst nahtlosen Übergang zum Blank.
Das hat noch einen weiteren Vorteil: Unterschiedliche Rollen und damit unterschiedliche Rollengewichte lassen sich wesentlich leichter ausgleichen. Für mich sollte eine Einhandrute möglichst genau im Bereich des vorderen Griffendes ausbalanciert sein. Kann ich meine Handposition dort variieren, verändert sich auch das Gefühl für die gesamte Rute.
Entsprechend neugierig war ich, als ich erstmals diesen neuen Griff in die Hand bekam.
Zwischen Zeigefinger und Daumen
Meine Wurftechnik hat sich über die Jahre verändert. Nach verschiedenen Casting-Kursen mit skandinavischen Spitzenwerfern bin ich längst nicht mehr dogmatisch auf eine bestimmte Griffhaltung festgelegt.
Ich werfe mit dem Zeigefinger, mit dem Daumen – und häufig mit einer Position irgendwo dazwischen. Auch während einer Wurfsequenz kann sich meine Handhaltung verändern. Eine Rute muss deshalb für mich möglichst frei und beweglich in der Hand liegen. Ich möchte sie führen können, anstatt durch die Form des Griffes geführt zu werden.
Besonders deutlich wird das beim Single-Hand-Switch-Cast. Meine Technik ist hier stark von der skandinavischen Underhand-Schule und insbesondere von Göran Andersson beeinflusst.
Ein wesentlicher Punkt dieser Technik besteht für mich darin, die Hand funktionell beinahe in zwei Bereiche aufzuteilen. Der Drehpunkt befindet sich zwischen Daumen und Zeigefinger, während Ringfinger und kleiner Finger aktiv einen weiteren Teil der Bewegung übernehmen können. Es sind kleine Bewegungen – aber gerade sie machen die Technik so effizient und verleihen ihr dieses besondere Gefühl von Kontrolle.
Mittlerweile ist mir diese Art zu werfen ausgesprochen vertraut. Und interessanterweise macht sie mir gerade mit meinen bevorzugten ultraschnellen Solid-Tip-Ruten enormen Spaß – auch wenn Göran Andersson selbst bekanntlich eher tiefer ladende Ruten bevorzugte.
Genau hier wird der Griff interessant
Der neue Griff eröffnet bei dieser Art des Werfens Möglichkeiten, die ich bei konventionellen Griffen bisher nicht gefunden habe.
Vor allem die Freiheit, zwischen unterschiedlichen Handpositionen zu wechseln, ist bemerkenswert. Ich kann mit dem Daumen arbeiten, in meine bevorzugte Mischform wechseln oder den Zeigefinger weiter nach vorne führen, ohne dass mich die Geometrie des Griffes dabei behindert.
Die eigentliche Überraschung liegt für mich jedoch ganz vorne.
Ich kann mit dem Zeigefinger nahezu nahtlos zwischen Kork und Blank hin- und herrutschen – genau das, was ich bei meinen Custom-Griffen seit Jahren verlange. Gleichzeitig bietet mir die neue Konstruktion aber eine zusätzliche Stütze für den Zeigefinger.
Und diese Stütze macht erstaunlich viel aus.
Subjektiv entsteht das Gefühl, mehr Kraft auf die Rute übertragen zu können, ohne dafür stärker zugreifen zu müssen. Gleichzeitig bleibt die Hand beweglich. Der Griff gibt Halt, ohne die Hand festzulegen.
Das ist ein bemerkenswerter Unterschied.
Freiheit statt vorgeschriebener Handhaltung
Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Konzeptes: Der Griff versucht nicht, dem Werfer zu erklären, wie er die Rute halten soll.
Er ermöglicht vielmehr unterschiedliche Griffpositionen und unterschiedliche Techniken. Zeigefingerhaltung, Daumenhaltung, eine Position dazwischen, ein nach vorne wandernder Zeigefinger oder die für die Underhand-Technik wichtige Arbeit mit dem unteren Teil der Hand – all das funktioniert, ohne dass man gegen die Form des Griffes arbeiten muss.
Für mich ist das beim Casting ebenso interessant wie beim tatsächlichen Fischen. Denn am Wasser bleibt die Handposition ohnehin nicht über Stunden unverändert. Wurf, Mend, Fliegenführung, Schnurkontrolle und Drill stellen jeweils etwas andere Anforderungen an die Balance und Führung einer Rute.
Ein Griff, der diese Veränderungen zulässt, anstatt eine einzige vermeintlich ideale Position vorzugeben, erscheint mir deshalb ausgesprochen sinnvoll.
Fazit
Ich bin bei Neuerungen im Rutendesign grundsätzlich weniger daran interessiert, ob etwas anders aussieht, sondern ob es beim Werfen tatsächlich einen Unterschied macht.
Dieser Griff tut es.
Die Kombination aus einem fließenden Übergang zum Blank, der außergewöhnlich freien Positionierung der Hand und gleichzeitig gezielter Unterstützung des Zeigefingers funktioniert für meine Art zu werfen ausgesprochen gut. Gerade für eine Technik, die Elemente des klassischen Einhandwerfens mit der von Göran Andersson geprägten Underhand-Schule verbindet, bietet das Konzept eine Flexibilität, die ich bei herkömmlichen Griffen bislang vermisst habe.
Für mich ist dieser Griff deshalb sowohl beim Casting als auch beim praktischen Fischen eine wirklich gelungene Novität.
Und letztlich gibt es für einen Test wohl kaum ein eindeutigeres Urteil:
Ich werde ihn an mehreren meiner Ruten nachrüsten lassen.
Ein Test reicht uns nicht – jetzt brauchen wir unterschiedliche Hände
Florians Erfahrungen sind für diese Entwicklung ausgesprochen wertvoll. Aber gerade weil seine Wurftechnik sehr ausgeprägt und individuell ist, wollen wir jetzt wissen, wie andere Fliegenfischer mit dieser Form zurechtkommen.
Uns interessieren erfahrene Werfer genauso wie Einsteiger. Große Hände ebenso wie kleine. Menschen, die seit Jahren mit dem Daumen werfen, ebenso wie Zeigefingerwerfer oder Angler, die über ihre Griffhaltung bisher überhaupt nicht nachgedacht haben.
Wir wollen herausfinden, welche Positionen sich von selbst ergeben, ob während längerer Fischerei tatsächlich häufiger gewechselt wird und ob die zusätzliche Bewegungsfreiheit die Hand spürbar entlasten kann.
Möchtest du die neue Griffform selbst testen?
Für den Test muss deine Rute keinen komplett neuen Griff bekommen. Der vorhandene Griff kann im vorderen Bereich ergänzt und so ausgearbeitet werden, dass die neue Form entsteht.
Der Preis für den Umbau beträgt pauschal 59,00 EUR. Für Mitglieder des SoliSpot-Patronats biete ich diesen Umbau im Rahmen des laufenden Praxistests zeitlich begrenzt für 40,00 EUR pro Rute an. Pro Anfrage können bis zu drei Ruten angemeldet werden.
Was ich dafür möchte: keine Gefälligkeitsbewertung, sondern eine ehrliche Rückmeldung nach dem Fischen. Was funktioniert? Was nicht? Was fühlt sich besser an? Und was sollten wir verändern?
Welche Erfahrungen suchen wir?
- Welche Handhaltung ergibt sich mit dem Griff ganz von selbst?
- Wechselst du beim Werfen oder Fischen zwischen verschiedenen Positionen?
- Wie fühlt sich der Übergang vom Kork zum Blank an?
- Welche Rolle spielt die Position des Zeigefingers?
- Verändert die Griffposition das Balancegefühl der Rute?
- Wie fühlt sich deine Hand nach mehreren Stunden am Wasser an?
- Gibt es etwas an der Form, das wir noch verändern sollten?
Genau diese Rückmeldungen werden anschließend wieder in diesen Beitrag einfließen. So lässt sich Schritt für Schritt nachvollziehen, wie aus einer ersten Idee eine Lösung entsteht – und welchen Anteil die Menschen im Patronat daran haben.
Einige Bilder auf SoliSpot wurden vorübergehend mit KI erstellt, da nicht zu jedem Thema passende eigene Fotos verfügbar sind. Sie dienen nur zur Veranschaulichung und werden nach und nach durch echte Praxisbilder ersetzt.

